„Damit sie nicht vergessen werden“ – Stolpersteinverlegung in der Sofienstraße
Unter dem Leitgedanken „Damit sie nicht vergessen werden“ wurden am Sonntag (22. Februar) in Graben-Neudorf die ersten Stolpersteine verlegt. Die Veranstaltung wurde von der Initiative Deine Hand e. V. organisiert und setzte ein sichtbares Zeichen des Erinnerns und der Verantwortung.
Den Auftakt bildete eine würdevolle Gedenkfeier in der Adolf-Kußmaul-Schule. Im Mittelpunkt stand das Schicksal von Sofie Hertz und Karoline Ott. Beide Frauen jüdischen Glaubens wurden während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft systematisch entrechtet, ausgegrenzt und schließlich deportiert. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft riss man sie aus ihrer Heimat und verschleppte sie in Konzentrationslager. Dort waren sie den unmenschlichen Lebensbedingungen, der Willkür und der grausamen Verfolgung durch das nationalsozialistische Regime schutzlos ausgeliefert. Ihr Leidensweg steht stellvertretend für das Schicksal unzähliger Menschen, die Opfer von Antisemitismus, Ausgrenzung und einer menschenverachtenden Ideologie wurden.
Im Anschluss an die Gedenkfeier erfolgte die Verlegung der Stolpersteine vor dem Anwesen in der Sofienstraße 6, jenem Ort, an dem sie einst lebten. Die im Gehweg eingelassenen Messingtafeln tragen ihre Namen und erinnern dauerhaft an ihr Leben und das ihnen widerfahrene Unrecht.
Besonders bewegend war die Teilnahme von zwölf Nachkommen der Familien, die aus Amerika und England angereist waren, um gemeinsam mit der Gemeinde zu gedenken. Dass mit Ralph Brunn im Alter von 101 Jahren das Familienoberhaupt persönlich anwesend war, berührte viele zutiefst. Seine Reise ist ein eindrucksvolles Zeichen der Verbundenheit über Generationen und Kontinente hinweg.
Im Rahmen des Besuchs trugen sich die Angehörigen unter anderem in das Goldene Buch der Gemeinde ein. Ein herzlicher Dank gilt zudem Irene Münster, die über viele Jahre hinweg den Kontakt nach Graben-Neudorf gepflegt und sich mit großem Engagement für die Erinnerungskultur eingesetzt hat.
„Mit der Verlegung der Stolpersteine erhalten Sofie Hertz und Karoline Ott einen festen Platz im öffentlichen Gedächtnis. Die Steine mahnen uns im Alltag, erinnern an das begangene Unrecht und fordern uns auf, Verantwortung für ein respektvolles, demokratisches und menschliches Miteinander zu übernehmen“, so Bürgermeister-Stellvertreter Jörg Hartmann.



