Gemeinde Graben-Neudorf (Druckversion)

LeBeN - Eine Chance für Graben-Neudorf

Rund 50 Jahre nach der Vereinigung der beiden Gemeinden Graben und Neudorf zur Gemeinde Graben-Neudorf entsteht der letzte Baustein im Zusammenwachsen der Gemeinde: Direkt gegenüber des Rathauses und nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt wird eine lebendige Ortsmitte entwickelt: Die „Neue Mitte“. Neben dem Wohnquartier, dass die evhohaus GmbH aus Karlsruhe entwickelt, soll als Herzstück der Lern- und Begegnungsort LeBeN entstehen. Dort wird das Herz der 'Neuen Mitte' schlagen. Unter einem Dach werden die Gemeindebibliothek, ein Restaurant, offene Werkräume sowie der Bürgerservice der Gemeindeverwaltung zum 'Wohnzimmer der Gemeinde'. So entsteht ein innovativer Ort der Begegnung, der zum Lernen und Experimentieren genauso einlädt wie zum Feiern und Genießen.

Für die Planung des Gebäudes verpflichtete die Gemeinde das Architekturbüro MVRDV aus Rotterdam. Das Büro setzte sich im Oktober 2019 in einem Architektenwettbewerb gegen vier andere Architekturbüros durch.

Im Juli 2020 präsentierte MVRDV den Entwurf für das Gebäude.

Die Idee

Das Gebäude wird von MVRDV 'Die Landschaftsbücherei' genannt. Denn der Entwurf löst geschickt ein Problem bei der Entwicklung der 'Neuen Mitte': Viele BürgerInnen wünschten sich eine "grüne Mitte": Öffentliche Grünflächen mit hoher Aufenthaltsqualität. Doch gleichzeitig blieb dafür bei der Entwicklung der 'Neuen Mitte' nur noch wenig Platz. So entwickelte Architekt Winy Maas im Dialog mit engagierten BürgerInnen aus Graben-Neudorf und dem Gemeinderat eine Vision: Das Gebäude für LeBeN bekommt ein begehbares grünes Landschaftsdach. So wird der wenig verbleibende Platz in der 'Neuen Mitte' doppelt genutzt. Gleichzeitig passt sich die Größe des Gebäudes der Umgebung an: Die Höhe des Gebäudes entspricht dem Rathaus.

Vom höchsten Punkt des Landschaftsdaches lässt sich dennoch ein Blick in die Rheinauen erhaschen. Denn seit seinem ersten Besuch in Graben-Neudorf war Architekt Winy von der Landschaft des Oberrheins fasziniert, die Graben-Neudof umgibt. 'Die Landschaftsbücherei' verfolgt die Idee die verschiedenen Landschaftsräume um Graben-Neudorf direkt im Herzen der Gemeinde abzubilden. Auf den Terrassen des Landschaftsdaches sollen heimische Pflanzen aus den Rheinauen, der Hardtplatte mit ihren Sandböden und dem Hardtwald angepflanzt werden. Der Rhein soll in Form von Wasserspielen vor dem Gebäude abgebildet werden.

Im Innern bietet der Gebäudeentwurf eine große Flexibilität: Bücherei und Bürgerbüro der Gemeinde sind genauso miteinander verschmolzen wie Gastronomie und Flächen für Veranstaltungen. Im Zentrum des Gebäudes finden sich runde Stufen, die eine Bühne für kulturelle Aufführungen und Veranstaltungen bieten. Und auch im Außenbereich bietet der Entwurf eine Hommage an das rege Graben-Neudorfer Vereinsleben: Eine Freiluft-Tribüne im Herzen der Gemeinde, die für Straßenfeste, Konzerte der Musikvereine und Chöre, für Theateraufführungen oder Open-Air-Gottesdienste neue Möglichkeiten eröffnet.

Die Vorgeschichte

Die Idee zum Lern- und Begegnungsort LeBeN stammt aus der Bürgerbeteiligung zur Entwicklung der 'Neuen Mitte' im Jahr 2018. Damals nahmen hunderte BürgerInnen an den verschiedenen Veranstaltungen der Gemeinde teil und formulierten Ihre Ziele. Die BürgerInnen wünschten sich mehrheitlich genau so wie der Gemeinderat eine 'Neue Mitte', die zum Treffpunkt für alle Graben-Neudorfer wird: Ein Magnet mit Gastronomie und hoher Aufenthaltsqualität. Im Rahmen einer Umfrage meldeten zahlreiche Graben-Neudorfer Vereine und Institutionen VertreterInnen, die im Rahmen der 'Bürgerwerkstatt' gemeinsam mit dem Architekten an der Umsetzung dieser Ziele arbeiteten.

Die Finanzen

Im Jahr 2019 beschloss der Gemeinderat einstimmig einen Kostenrahmen für den Bau von LeBeN in Höhe von zunächst 10 Millionen Euro. Ebenfalls einstimmig beschloss der Gemeinderat 2020 die Aufnahme des Projekts in die mittelfristige Finanzplanung der Gemeinde mit einem Betrachtungszeitraum von 10 Jahren. Eine genaue Kostenschätzung für den Gebäudeentwurf für LeBeN ist derzeit noch nicht möglich, denn das Projekt befindet sich in der ersten Planungsphase (Planungsphase 0). Bis über einen Bau des Projekts entschieden werden kann, muss zunächst weiter geplant werden. Dazu wird die Gemeindeverwaltung den Gemeinderat bitten, die notwendigen Planungsaufträge zu genehmigen: Zum Beispiel für die Beratung durch einen Tragwerksplaner in Höhe von 15.000 Euro. Denn nur wenn weiter geplant werden darf, können die Fragen aus der Bevölkerung zu den Kosten für LeBeN auch solide beantwortet werden.

Fest steht schon heute, dass LeBeN mit einem kräftigen Zuschuss von über 4 Millionen Euro finanziert werden kann. Denn die Gemeinde nimmt durch den Verkauf von Grundstücken an die evohaus GmbH in der „Neuen Mitte“ über 4 Millionen Euro ein. Dieses Geld soll als Zuschuss in den Bau von LeBeN fließen.

Hinzu kommt, dass die Gemeinde finanziell  hervorragend dasteht: Die Gemeinde ist schuldenfrei und verfügt über Rücklagen von über 14 Millionen Euro.

Eingerechnet werden muss auch, dass die Gemeindebibliothek im alten Bahnhofsgebäude dringend sanierungsbedürftig ist: Sie ist nicht barrierefrei und nicht behindertengerecht. Um die Bibliothek dauerhaft im alten Bahnhofsgebäude erhalten zu können, wären erhebliche Investitionen erforderlich. Im Gegenzug entsteht bei einem Umzug der Bibliothek in das neue Gebäude LeBeN neuer Spielraum: Im alten Bahnhofsgebäude könnten weitere dringend benötigte Flächen für die örtlichen Vereine bereitgestellt werden.

Der Maßstab

Das Gebäude LeBeN bietet die Chance, Graben-Neudorfs Ortszentrum nach 50 Jahren ein Gesicht zu geben. Dabei passt sich das Gebäude städtebaulich in den Maßstab der Umgebung ein. Das Hauptgebäude von LeBeN (14,5 Meter Höhe) ist niedriger als das direkt benachbarte Verwaltungsgebäude der Sparkasse Karlsruhe (18,25 Meter Höhe).

Auch ein Vergleich der Konstruktionsfläche der beiden Gebäude hilft: Das Gebäude der Sparkasse hat eine Konstruktionsfläche von 5.466 qm, der Entwurf für LeBeN 2.655 qm.

Fakt ist: Seit 1972 haben Gemeindeverwaltung und Gemeinderat in der 'Neuen Mitte' eine verdichtete und hohe Bebauung vorangetrieben. Diesem Maßstab passen sich LeBeN und die Wohnbebauung der evohaus GmbH an.

Die Frage, die Gemeinderat und Bürgerschaft entscheiden lautet: Darf ein Gebäude, das der Gemeinschaft dient, sich dem Maßstab z.B. des benachbarten Sparkassen-Gebäudes annähern?

Der Verkehr

Bleibt die "Neue Mitte" eine Transitstrecke für PKW oder wird sie ein belebtes Ortszentrum?

Sämtliche Experten von außen, die seit 2017 die Gemeinde bei der Entwicklung der 'Neuen Mitte' beraten, benennen den Rückbau der breiten Straßentrasse der ehemaligen Bundesstraße 36 als wichtigste Aufgabe bei der Entwicklung des neuen Ortszentrums. Das bedeutet: Die Straße soll langsamer und schmaler werden. Die Entscheidung, vor der Bürgerschaft und Gemeinderat stehen lautet: Bleibt die 'Neue Mitte' eine Transitstrecke für PKW zwischen Graben und Neudorf oder wird sie ein gemeinsames Ortszentrum mit hoher Aufenthaltsqualität?

Der Gemeinderat beantwortete die Frage beim Abschluss des städtebaulichen Wettbewerbs 2019 einstimmig: Die Straße soll langsamer und schmaler werden. Der jetzt vorgelegte Entwurf für LeBeN sieht vor, dass die Straße zwischen dem neuen Gebäude LeBeN und dem Rathaus verschwenkt wird und mit niedriger Geschwindigkeit über einen gepflasterten Platz geführt wird. Eine Folge dieser Entscheidung wird sein, dass der Verkehr verstärkt über die Heidelberger Straße und die Umgehungsstraße fließen wird. Dafür gewinnt die 'Neue Mitte' an Qualität für Kinder, Senioren und Familien, für Fußgänger und Fahrradfahrer. Das Landratsamt Karlsruhe als Baulastträger der Kreisstraße unterstützt die geplante Verschwenkung und Verlangsamung der Straße. Eine erste Verkehrsstudie des Fachbüros MANNS Ingenieure bestätigte, dass die Verschwenkung zwischen Rathaus und LeBeN möglich ist und empfiehlt die Planungen zu verfeinern.

Gemeinsam weiterplanen

Am 6. Juli 2020 beschloss der Gemeinderat, dass nun die BürgerInnen wieder verstärkt beteiligt werden sollen. Bis zu den Sommerferien wird Bürgermeister Christian Eheim unter anderem mit Jugendlichen, StammleserInnen der Bibliothek und dem Handwerker- und Gewerbeverein über das Projekt sprechen.

Alle diese Gespräche liegen Bürgermeister Christian Eheim sehr am Herzen. Schließlich geht es bei der 'Neuen Mitte' darum, den künftigen Generationen eine Ortsmitte zu übergeben. Eine Ortsmitte, auf die die Kinder von heute in den kommenden Jahrzehnten stolz sein können und die hilft, die einzigartige Gemeinschaft von Graben-Neudorf auch in Zukunft zu erhalten.

Und auch die örtlichen Unternehmen haben immer wieder darauf gedrängt, dass es endlich einen attraktiven Raum für Begegnung, für Bewirtung von Kunden und Veranstaltungen braucht. Auch darauf kann der Entwurf für LeBeN Antworten liefern.

Nach den Sommerferien wird eine große Bürgerversammlung mit Architekt Winy Maas stattfinden. Das Motto dabei lautet: Gemeinsam weiterplanen. Der Entwurf soll gemeinsam weiterentwickelt werden. Denn LeBeN ist ein Gebäude von den BürgerInnen für die BügerInnen.

Ende September wird dann der Gemeinderat entscheiden, ob das Projekt weiter vorangetrieben wird.

Bürgermeister i.R. Werner Juchler: "Die Welt bewegt sich nur, wenn wir Mut zum Neuen haben"

Bürgermeister i.R. Werner Juchler

Bürgermeister i.R. Werner Juchler legte über Jahrzehnte die Grundlagen dafür, dass die Gemeinde heute die 'Neue Mitte' vollenden kann. Nun hat sich Werner Juchler zum vorgelegten Entwurf für das Gebäude LeBeN geäußert:

Der Entwurf für das Gebäude 'LeBeN' in der "Neuen Mitte" ist für mich ein Blick mit Zukunft. Er beinhaltet mit 'Le' nicht nur Lesen, sondern auch 'Leben' und auch 'erleben' im buchstäblichen Sinne.

Das 'Be' für Begegnung steht gleichfalls für Leben für jetzt und besonders für unsere jüngeren Mitbürger. Ein Objekt auf das man stolz sein kann - das man vorzeigen kann. Wie unsere Pestalozzihalle, unsere Schulen und unser Rathaus.

Ohne Begegnung mit unseren Mitmenschen ist unser Dasein leer - eben ohne Leben. Das 'N' für Natur ist Lebensraum - Lebensraum wie wir ihn mit unseren Wäldern schon immer schätzen und lieben. Diesen Lebensraum holen wir mit LeBeN auch in unser neues Zentrum.

Änderungen am Entwurf in der einen oder anderen Form wird es in der Feinplanung vielleicht geben - das vorgegebene Muster ist für mich ein Stück Leben für Alt und Jung. Die Welt bewegt sich nur, wenn wir Mut zum Neuen haben.

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