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Geschichtliches zum Ortsteil Neudorf

Der Ort Neudorf, auf dem Boden des Grevenhart - das heißt des „Grafenwaldes“ - gelegen, scheint das Ergebnis des Zusammenwachsens zweier Rodungssiedlungen auf dem Boden dieses „Grafenwaldes“, nämlich Grefenweilers und Grevenhauses, zu sein. Zum ersten Mal wird, soweit wir sehen, dieses „Neue Dorf“ 1466 als Nuwendorf erwähnt. 1471 und 1476 ist die Rede von den „armen Leuten in dem newen Dorf Grafenwiler“, 1482 dann vom Nuwe Dorff, 1493 vom neuwe Dorffe. In der „Liste der gesamten Haushalte des Bistums Speyer ,Gemeinen Pfennings‘ von 1495“ wird der Ort als Nuwdorff erwähnt; elf Haushalte werden darin namentlich aufgeführt.

Neudorf - darauf weist nicht nur diese späte Erstnennung, sondern auch die kleine Gemarkung, kleine Allmende und fehlender Gemeindewald hin – ist also mit der jüngste Ort in der näheren Umgebung, zugleich aber auch einer der kleinsten und ärmsten, was er übrigens bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geblieben ist. Politisch gehörte Neudorf zum weltlichen Herrschaftsgebiet des Bistums Speyer, während Graben seit 1312 nicht mehr dazugehörte, kirchlich dagegen war es Graben zugeordnet, das wohl spätestens seit 1200 Sitz eines der drei Landdekanate war, in die das Archidiakonat des Propstes von St. German zu Speyer zerfiel.

Die Zugehörigkeit der beiden kirchlich zusammengehörenden Orte zu zwei verschiedenen weltlichen Herrschaftsgebieten ist für die weitere Entwicklung von nicht geringer Bedeutung. Im Jahr 1556 führte nämlich Markgraf Karl II. von Baden-Durlach in seinem Herrschaftsgebiet die Reformation ein, und somit mußten auch die Einwohner von Graben mehr oder weniger freiwillig zum Protestantismus übertreten, wogegen die Einwohner von Neudorf als weltliche Untertanen des Bischofs von Speyer am katholischen Glauben festzuhalten hatten. Endgültig geregelt und vollzogen wurde die kirchliche Trennung Neudorfs von Graben nach einem offensichtlich langwierigen Prozeß jedoch erst um das Jahr 1595. In diesem Jahr ließ Bischof Eberhard von Speyer auch das erste Gotteshaus in Neudorf bauen, eine kleine Kapelle (an der Stelle des Hauses Nr. 28 der heutigen Kapellenstraße), die 1715 neu konsekriert und 1756 abgebrochen wurde, nachdem in den Jahren 1742 bis 1749 Fürstbischof Hugo Damian von Schönborn für den am 25. März 1724 zur Pfarrei erhobenen Ort eine neue Kirche hatte bauen lassen, den Vorgängerbau der jetzigen, 1887 bis 1895 erbauten Kirche.

Im 17. Jahrhundert - in der an Not und Zerstörung gewiß nicht armen Geschichte des Bruhrains weitaus unheilvollsten Zeit - soll der Ort Neudorf „einige Male in Schutt und Asche gelegt“ worden sein und wurde außerdem wiederholt vom Hungertyphus und der Pest heim­gesucht, so daß 1683 nur noch acht Familien das „fast einer Wüste gleichkommende“ Neudorf bewohnten. An dem allgemeinen Aufschwung, den das rechtsrheinische Gebiet des Hochstifts Speyer in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte, nahm auch Neudorf teil, was sich an dem relativ großen Bevölkerungszuwachs dieser Jahre ablesen läßt (1719/20: 48 Familien; 1742/43: 70 Familien).

Zusammen mit dem rechtsrheinischen Teil des Fürstentums Speyer fiel Neudorf am 1. Dezember 1802 dem Markgrafen Karl Friedrich von Baden zu. Ein besonderes Kennzeichen der ersten „badischen“ Zeit ist die verhältnismäßig starke Zunahme der Bevölkerung: zählte der Ort 1813 noch 537 Einwohner, so waren es 1852 bereits 1136 Einwohner. Aber die Einwohner, die von Feld-, Wiesenbau und Viehzucht lebten und deren Haupteinnahmequelle der Torfstich war, blieben „mehr arm als reich“, wie es im Universallexikon vom Großherzogtum Baden aus dem Jahr 1847 heißt, so daß in den fünfziger und sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts viele Familien ihr Glück in der Fremde suchten (in Algerien, Brasilien und Nordamerika). So weist auch die Bevölkerungszahl in dem Jahrzehnt von 1854 (1.291 Einwohner) bis 1864 (1.060 Einwohner) einen sehr deutlichen Rückgang auf. Eine stetige Aufwärtsentwicklung setzte erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ein (1890: 1.537 Einwohner; 1925: 2.168 Einwohner; 1939: 2.523 Einwohner; 1962: 3.962 Einwohner; 1971: 4.369 Einwohner).