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Geschichtliches zum Ortsteil Graben

Bei dem Ortsnamen „Graben“ handelt es sich  mit großer Wahrscheinlichkeit um eine ursprüngliche Stellenbezeichnung: „am Graben“ (nämlich am Graben der Burg, bei der das Dorf entstand, oder am Graben der Pfinz, die hier in die Rheinniederung abfällt). Alle anderen Namensdeutungen entspringen bloßem Wunschdenken, genauso wie ein Römerlager oder ein fränkisches Urdorf, gegründet von einem gewissen Grawo. Daß der Ort älter ist als seine erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 1306, legen die  Größe der Gemarkung, der ausgedehnte Waldbesitz und die reichen All­menden zu früheren Zeiten nahe. Grabener Grundherr war möglicherweise schon früh der Bischof von Speyer. 

1306 wird Graben erstmals urkundlich erwähnt: Der Ubstadter „edel knecht Swiger“ versprach am 22. März 1306 dem badischen Markgrafen Rudolf das Vor­kaufsrecht an seinem Teil des Dorfes Graben. Vier Jahre später, am 26. November 1310, verkaufte dann auch Swigers Bruder Dietrich dem badischen Markgrafen all sein von seinem Vater Gerhart ererbtes Gut. Es kam dann zwar noch zu etlichen Streitereien zwischen den Ubstadtern und dem Markgrafen, aber in zwei Urkunden vom 8. und 16. August 1312 wurden der Verkauf der Burg und des Dorfes Graben endgültig besiegelt. So war Graben seit 1312 zwar Teil der Markgrafschaft Baden, aber seit dem frühen 15. Jh. blieben Schloß und Amt Graben für mehr als 300 Jahre (bis 1746) unter kurpfälzischer Oberhoheit  und dem badischen Markgrafen nur zu Lehen. Von dem Aussehen des immer wieder als „Schloß“ bezeichneten Gebäudes am linken Ufer der Pfinz, an das heute nur noch die Bezeichnungen „Schloßstraße“ und „Schloßplatz“ erinnern, wissen wir so gut wie nichts. Es war wohl ein nüchterner Bau, der seine Zwecke aber gut erfüllte. 

Auch das Amt Graben, das Anfang des 18. Jahrhunderts aufgehoben und der neuen Residenzstadt Karlsruhe zugeschlagen wurde, war immer alles andere als imposant: Es bestand gerade einmal aus den drei Dörfern Graben, Liedolsheim und Rußheim,  weswegen  auch das 1901 geschaffene Wappen der Gemeinde Graben   die Hufeisen, als Dorfzeichen von Liedolsheim und Rußheim, mit den „redend“ für den Dorf- und Amtsnamen Graben verwendeten Spaten (= Grabscheiten) vereint hatte. Das Amtshaus lag im Süden des Schloßbezirks am heutigen Schloßplatz und bildete einen Teil der zum Schloß gehörigen Gebäude. Die Auswirkungen der Reformation führten dazu, daß die Einwohner Grabens durch die von Markgraf Karl II. von Baden-Durlach im Jahr 1556 angeordnete Einführung des reformierten Glaubens die neue Glaubenslehre annahmen. Graben zählte um diese Zeit (gemäß dem Grabener Lagerbuch von 1566) „112 Herdstellen mit 560 Seelen“. 

Der Dreißigjährige Krieg  (1618-1648) brachte viel Not und Elend auch über Graben. Um Bruchsal herum betrugen die Bevölkerungsverluste im Durchschnitt um 80 Prozent. „Anno 1622 wurden 1150 Morgen Ackerfläche angebaut, nach Friedenschluß 1648 nur noch 296 Morgen. An Gebäuden sind 135 zerstört worden, 1622 hatte Graben 145 Bürger, 1648 waren nur noch 42 ansässig.“ Die Kriege im Zusammenhang mit der Reunionspolitik Frankreichs unter Ludwig XIV. und der Pfälzische Erbfolge-Krieg hatten auch für Graben verheerende Folgen. So zerstörten am 31. März/1. April 1675 die Franzosen von der Festung Philippsburg  aus, die sich seit dem Westfälischen Frieden (1648) in französischer Hand befand, das Schloß zu Graben, und im Frühjahr 1689 brannten sie das ganze Dorf „bis auf ein einziges altes Haus“ ab. Ruhe, Ordnung und Aufschwung traten erst wieder in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein.

Der rein landwirtschaftliche Charakter der Gemeinde Graben hat sich bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten. Dem Anbau der Sonderkulturen Tabak und Spargel auf dem Sandboden der Grabener Gemarkung ist es zuzuschreiben, daß sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft nur langsam vollzog. Schon 1912 wurden hier 86 Hektar Tabak angebaut, und vor und nach dem Zweiten  Weltkrieg zählte Graben zu den bedeutendsten Anbauorten mit annähernd 100 Hektar Tabakanbau­fläche.

Das Krisenjahr 1960 im Tabakanbau, hervorgerufen durch die Blauschimmel­krankheit mit schweren Ernteschäden und die Ansiedlung von Industrie- und Gewer­bebetrieben haben in der Folgezeit manchen Landwirt dazu veranlaßt, seinen Betrieb aufzugeben und einen Arbeitsplatz bei einem dieser Betriebe anzunehmen. Der Spargelbau wurde von dieser Entwicklung nicht betroffen. Die ersten Spargelfelder wurden in Graben 1913 angelegt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Spargelbau sehr stark durch die Landwirtschaftsschule Graben gefördert und unterstützt. 1929 fand der erste Grabener Spargelmarkt statt. Die Anbaufläche lag damals bei 20-30 Hektar.